Zwischen Geburt, Krankenhaus und Werkverträgen

Kaum zu glauben, dass es schon mehr als drei Monate her ist und es kommt mir immer noch so vor, als wäre es erst gestern gewesen.

An einem Sonntag im April hat mein Mann mich ins Krankenhaus gefahren. Anders als bei anderen Frauen, blieben bei mir die Zeichen der Geburt auch acht Tage nach dem Entbindungstermin noch aus. Keine einzige Wehe, kein Tropfen Fruchtwasser. Also machten wir uns auf dem Weg zur Einleitung. Am frühen Morgen erstellte ich noch schnell eine To Do Liste für meinen Geschäftspartner, der mir die meiste Arbeit für die ersten paar Monate abnehmen sollte (inzwischen frage ich mich wieso ich mir überhaupt die Mühe gemacht hab, aber dazu in den späteren Beiträgen mehr). Auf dem Weg ins Krankenhaus beantwortete ich auf dem Handy noch schnell die restlichen E-Mails in meinem Posteingang. Ich wollte keinesfalls etwas unerledigt haben, da dies meist im Hinterkopf herumschwirrt und man somit nicht zur Ruhe kommt. Alles war bereit und ich war auch seelisch auf die Geburt vorbereitet.

Im Krankenhaus angekommen wurde mit Hilfe von Tabletten die Geburt eingeleitet. Die Ärztin erklärte mir noch, dass dies auch bis zu vier Tagen dauern kann. Da ich mich bereits vorher im Internet erkundigt hatte, hatte ich auch vorsichtshalber meinen Laptop dabei, um die Zeit im Krankenhaus effizient nutzen zu können. Tatsächlich bekam ich jedoch in derselben Nacht noch Wehen, die Fruchtblase platzte und zweieinhalb Stunden später erblickte mein kleiner Knirps schon das Licht der Welt. Ich war nur froh, dass es überstanden war. Die Magie der Geburt und die Überwältigung der Gefühle, wenn das Baby auf der Brust liegt, von der man vorher soviel gehört hatte, blieb bei mir aber aus. Stattdessen wurde ich nochmal in Vollnarkose versetzt, damit die Plazenta ausgeschabt werden konnte und erwachte laut meinem Mann erst zweieinhalb Stunden später aus dieser.

Mit meinem Neugeborenen Knirps auf dem Arm wurden wir ins Zimmer geschoben und da waren wir nun, zum ersten Mal zu dritt. Erschöpft, unter Schmerzen, kaum beweglich. Ganze 12 Stunden nach der Geburt habe ich davon abgesehen mein Handy in die Hand zu nehmen und mir die Zeit genommen mich auf die neue Situation zu konzentrieren. Dann aber musste der Familie und den engen Freunden doch Bescheid gegeben werden. Die Kundschaft wurde verbreitet und weil der Kleine gerade schlief wurden dabei auch andere Nachrichten beantwortet. Ich gehöre zu der Gruppe von Menschen, die keine Nachricht oder E-Mail ungelesen lassen könnten, da mich dieser rote Punkt an der rechten oberen Ecke einer App (ich habe ein IPhone) total verrückt machen würde. Meine E-Mail App zeigte bereits ein Dutzend neue E-Mails an. Der Kleine schläft also kann ich die paar E-Mails ja lesen, dachte ich mir. Wenn man es dabei doch auch nur belassen könnte. Aber als Geschäftsführer läuft man gefühlt immer mit einer mentalen To Do Liste im Hinterkopf herum, die von Minute zu Minute länger wird. Ich kann E-Mails nicht unbearbeitet lassen, wenn sie sich sofort bearbeiten lassen. Es ist wie als hätte man einen kleinen Uhu im Hinterkopf der ständig anklopft um einen daran zu erinnern, dass da noch etwas ist was man erledigen muss. Also habe ich schnell die E-Mails beantwortet, Werkverträge unterschrieben und abgeschickt, Flugtickets umgebucht und angefragt, Personalplanung angepasst.

Mein Knirps war gerade mal 12 Stunden auf der Welt, ich hatte Schmerzen und noch Kreislaufprobleme. Da kam gerade ein neuer Mensch aus mir heraus! Wenn ich heute zurückdenke muss ich selbst den Kopf schütteln und frage mich, wie ich bloß auf den Gedanken kam Werkverträge zu unterschreiben, E-Mails zu beantworten beziehungsweise überhaupt zu arbeiten. Eigenschaften lassen sich aber nur schwer ablegen und inzwischen weiß ich, dass alles sowieso anders kommt als man es erwartet. Dazu aber in meinem nächsten Beitrag mehr.

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